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Ein Hund ist auch kein Rasenmäher

Damit der Garten unbeschädigt bleibt, kommen viele Leute auf die Idee, den Hund in einen Zwinger zu tun. Der Hund soll dann nach Meinung der Besitzer dort:

  • Ruhig warten, bis der Besitzer Zeit für ihn hat
  • Vom Zwinger aus Haus und Hof bewachen, er soll "anschlagen" falls sich ein unbefugter dem Haus nähert, soll aber ruhig sein, wenn sich "normale Dinge" wie Katzen oder Besucher dem Grundstück nähern
  • Wenn er herausgeholt wird, sollen die Hunde sich "ordentlich benehmen", sollen funktionieren, egal ob in tagtäglichen Situationen wie "Besuch kommt", ob es beim Hundesport oder außerhalb des eigenen Hofes ist

Ganz schnell merken viele Leute dann, wie bequem es ist, den Hund bei Zeitmangel und schlechtem Wetter "abzustellen", wie einen Rasenmäher oder ein anderes Gartengerät nach Gebrauch. Der Garten und das Haus werden so vor Verunreinigungen und Schandtaten des Hundes geschützt. Zwingerhaltung ersetzt oftmals auch die Erziehung, ein abgestellter Hund kann auch nichts falsch machen, man spart Zeit und Mühe. Man sieht es bei den Nachbarn, es wurde schon immer so gemacht.

Also eine Lösung zur Zufriedenheit auf allen Seiten, der Zwinger als der artgerechte Aufenthaltsort für Hunde. Oder?

Hunde sind hochsoziale Wesen. Sie brauchen eine Gruppe, sozusagen eine Familie und das Gefühl, dazu zu gehören Das ist eine der Grundlagen dafür, dass sie das Gefühl der inneren Sicherheit und damit auch eine ausgeglichene und gefestigte Persönlichkeit entwickeln können.

Ein Welpe, der mit ca. 8 Wochen aus seiner Familie herausgerissen wird und dann gleich - oft sogar für viele Stunden - alleine gelassen wird (praktischer Weise in einem Zwinger damit im Haus nichts verunreinigt oder zerstört wird), leidet Todesängste. Viele Leute denken, weil ihr Hund nicht jammert oder bellt, macht es ihm nichts aus, doch das stimmt nicht. Viele der Kleinen leiden sozusagen still vor sich hin. Natürlich ist es wichtig, dass Hunde alleine bleiben können. Hunde können es lernen, eine gewisse Zeit soziale Einsamkeit zu tolerieren. Man geht heute davon aus, dass Hunde ohne größere Probleme 6 Stunden täglich alleine bleiben können, wenn sie ansonsten ausgelastet sind. Alles was über 8 Stunden hinausgeht, bedeutet sozialen Stress für die Hunde.

Hunde reagieren ganz individuell auf soziale Vereinsamung. Viele resignieren und verbringen ihr Leben damit, darauf zu warten, bis sich endlich jemand mit ihnen beschäftigt. Sie leiden so still vor sich hin und sind völlig unauffällig. Doch auch Hunde reagieren auf seelische Belastungen körperlich, sie werden krankheitsanfälliger und haben oft eine geringere Lebenserwartung.

Andere sind nicht so pflegeleicht, dies äußert sich dann in Verhaltensauffälligkeiten wie Dauerbellen - oder heulen bzw. Zerstörungswut. Wenn sie dann wirklich mal herausgeholt werden, reagieren manche von Ihnen mit übersteigerter Aufgeregtheit oder auch Aggressivität auf die Umwelt, der angestaute Frust und die überschüssige Energie muss schließlich irgendwo hin. Der Kreis schließt sich, denn weil diese Hunde sich so unmöglich benehmen, kommen sie immer seltener raus.

Interessant ist hier, dass nicht der Zusammenhang von auffälligem Verhalten und der Art und Weise der Hundehaltung gesehen wird. Im Gegenteil, man ärgert sich über den Hund und sinnt auf Abhilfe. Oftmals meinen die Hundebesitzer, den Hund für sein Verhalten tadeln oder bestrafen zu müssen. Für Dauer - Beller gibt es z. B. "Bell - Ex", ein Sprühhalsband, welches durch das Bellen ausgelöst wird. Eine verkehrte Welt.

Hunde sind heute aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Neben denjenigen, die noch spezielle Aufgaben haben (als Rettungs- oder Polizeihunde, Minensuchhunde usw.) gibt es den "nur" Familienhund mit wichtigen sozialen Funktionen. Kinder, die mit Hunden aufwachsen, haben eine höhere soziale Kompetenz (vorausgesetzt, sie haben den richtigen Umgang mit den Hunden erlernt), Hunde regen zu körperlicher Aktivität an, Hunde helfen, den Verlust eines geliebten Menschen leichter zu ertragen, Hunde erleichtern die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen . usw.

Damit Hunde aber diese Aufgaben bewältigen können, müssen sie diese sozialen Kenntnisse und Fähigkeiten inmitten der menschlichen Gesellschaft erst erlernen. Die genetischen Voraussetzungen bringen sie mit, nicht umsonst ist der Hund als Art so erfolgreich in seiner weltweiten Verbreitung.

Doch hat alleine der Mensch es in der Hand, dass der Hund überhaupt die Chance erhält, diese Aufgabe zu meistern. Basis dafür ist die Auswahl der passenden Rasse, des richtigen Züchters, der Ausnutzung der Sozialisierungsphase und dem kennen lernen tagtäglicher Lebenssituationen.

Es ist dann Aufgabe des Hundehalters, dem Hund dann die erforderlichen Regeln zu vermitteln.

Das wären zum Beispiel:

  • Der Hund ist stubenrein, d.h. er "meldet" sich, wenn er raus muss, er "erleichtert" sich nicht auf Fliesen / auf Teppichen sondern draußen im Gras o. ä.;
  • Der Hund hat im Haus Ruheplätze, dort schläft oder ruht er entspannt, egal was um ihn herum geschieht;
  • Lautes Geräusche im Haus wie scheppern, klappern, laute Stimmen, Staubsauger oder Küchengeräte lassen den Hund völlig kalt;
  • Besucher werden mit allen vier Pfoten auf dem Boden begrüßt und dann in Ruhe gelassen;
  • Während der Mahlzeiten liegt der Hund auf seiner Decke bzw. auf einen ihm zugewiesenen Platz; dies gilt auch für gemeinsame Besuche in gastronomischen Einrichtungen;
  • Hunde lassen Pflegevorgänge wie Pfoten reinigen, Bürsten oder abtrocknen ohne Probleme geschehen;

In der ländlichen Gegend, in der ich wohne, ist es sehr verbreitet, Hunde im Zwinger und / oder Hof zu halten ohne ihnen jemals Zutritt zur menschlichen Behausung zu gestatten. Ich habe kein Problem damit, dass ein Hund die Wartezeit, die er sowieso alleine verbringen muss, im Zwinger verbringt. Dem Hund ist es egal, wo er wartet. Aber ich habe ein Problem damit, dass Hunde wie Gartenzwerge oder Rasenmäher behandelt werden - wenn kein Bedarf ist, wird er weggestellt.

Ich frage jeden Hundebesitzer, der seinen Hund so hält, warum er das tut. Folgende Antworten bekomme ich:

Ein (großer) Hund gehört nicht ins Haus.

Mit dieser Antwort kann ich eigentlich gar nichts anfangen. Weder haben manche (große) Hunde ein Gen für "Einsamkeit ertragen" noch gibt es Hunde - meistens eben die kleinen - ein Gen für "ich darf alles, auch in das Haus". Hunde sind Hunde, ob groß oder klein, ob Pudel oder Schäferhund. Sie sind weder Wölfe noch Kinder, sie wollen auch nicht als solche behandelt werden. Sie wollen lediglich bei "ihren" Menschen sein und nicht sich ausgeschlossen fühlen. Und sie brauchen klare Regeln.

Eine einzige Ausnahme lasse ich gelten. Es gibt Hunde, besonders unter den Herdenschutzhunden, die es lieben, draußen einfach so herum zu liegen. Dann ist das aber deren Entscheidung, die ich auch so akzeptieren würde. Und trotzdem gelten auch oder gerade für diese Hunde die gleichen Grundsätze wie für die anderen Hunde auch.

Hunde sollen den Hof bewachen

Wie sieht denn dieses "bewachen" in der Realität aus?

  • Der Hund bellt in seinem Zwinger/ auf dem Hof bei allen möglichen Anlässen. Wer bitte schaut jedes Mal nach, wenn der Hund anschlägt?
  • Der Hund bellt am Zaun, weil Passanten vorbei gehen. Das ist in der Regel nervend, nicht nur für die Nachbarn.
  • Der Hund bellt nicht, weil er gar nicht bellfreudig bzw. Misstrauisch ist. Und nun?
  • Der Hund ist nachts freilaufend im Hof, für Einbrecher, die wirklich reinwollen, ist das kein Hindernis. Da der Hund sowieso nur anschlagen darf (der Hundebesitzer haftet für eventuelle Schäden - auch am Einbrecher) kann auch hier eventuell Fall a) zutreffend sein oder aber der Hund selbst ist gefährdet.
  • Der Hund passt zwar auf Hof oder Zwinger auf, aber das Haus ist im Prinzip unbewacht.

Es gibt inzwischen Bewegungsmelder und Alarmanlagen, die brauchen kein Futter und sind vor allem nicht so Aufwendig in der Pflege und Wartung. Die erfüllen viel effektiver ihren Zweck.

Haushunde sind verhätschelt und verwöhnt

Alleine der mögliche Aufenthalt im Haus soll einen Hund verwöhnen? Wie definiert sich denn "verwöhnt sein" beim Hund?

Ein verwöhnter Hund bekommt alles, was er gerne hat, umsonst, ohne etwas dafür tun zu müssen, vor allem, wenn er etwas einfordert, wenn er sich durch Aufmerksamkeit heischendes (also nervendes) Verhalten immer wieder in den Mittelpunkt rücken kann. Doch meine Erfahrung bzw. die einiger meiner Kollegen ist interessanter Weise auch die, dass gerade oftmals aus einem - wahrscheinlich verdrängten schlechten Gewissen heraus - Zwinger- oder Hofhunde völlig unerzogen bzw. regellos aufwachsen. Aber schlimmer noch, alleine die Anwesenheit von Menschen im Einwirkungsbereich dieser Hunde reicht aus, um permanent Spiel oder Aufmerksamkeit einzufordern. Und das nicht nur, weil sie soziale Defizite haben, sondern weil sie gelernt haben, dass sie auf diese Art und Weise genau das bekommen was sie wollen.

Hunde machen Dreck

Das ist meiner Meinung nach die einzige ehrliche Antwort.

Es wäre eine Lüge, wenn ich behaupten würde, dass dies nicht stimmt. Das ist aber der Preis, den ich bezahle, der Kompromiss, den ich eingehen muss und inzwischen auch will. Ich will ohne Hund nicht leben also auch nicht ohne seinen Dreck.

Übrigens - der Dreck, den mein Hund macht ist gar nichts gegen das Chaos, was meine Kinder oftmals verursachen. Doch habe ich noch nicht einmal ansatzweise darüber nachgedacht, meine Kinder in einen Zwinger unter zu bringen (obwohl, dieser Gedanke .. ????)

Hunde können sich ihre Menschen nicht aussuchen, sie werden gekauft, angeschafft, was auch immer. In dem Moment, wo wir ein Lebewesen zu uns holen, übernehmen wir Verantwortung. Dieser können wir aber nur gerecht werden, indem wir uns darüber Gedanken machen und informieren, was dieses Lebewesen denn braucht, was "artgerecht" ist - und das gilt nicht nur für Hunde.

Wir Menschen sind manchmal schon ziemlich arrogant was den Umgang mit unseren Mitgeschöpfen angeht. Da werden Meerschweinchen oder Kaninchen in engen Käfigen und einzeln gehalten, obwohl sie Gesellschaft und Bewegung brauchen, da werden Hamster in Käfigen mit Laufrädern glücklich gemacht, obwohl diese lieber Gänge graben und Kammern anlegen. Und da werden Hunde isoliert gehalten, nur damit man ab und zu etwas felliges hat, was man streicheln kann oder damit man seinen Ehrgeiz auf Hundeplätzen befriedigen kann.

Doch lieben Hunde es, bei "ihrem Rudel" zu entspannen und tun auch sonst alles gerne in Gesellschaft.

Wenn wir Menschen vom Hund erwarten, dass er alle Spielregeln und Geflogenheiten des Zusammenlebens kennt und befolgt, so müssen wir all die Voraussetzungen schaffen, damit der Hund auch die Chance erhält, diese auch zu kennen bzw. zu erlernen. Das geschieht nicht im Selbstlauf und ganz bestimmt nicht in isolierter Haltung.

So richtig die Augen geöffnet hat mir unsere Hündin Bessy. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig für Hunde der Familienanschluss ist.

Als Bessy zu uns kam, konnte sie sich nicht im Haus aufhalten. Sie lief hier herum wie ein eingesperrter Tiger, hechelte vor lauter Stress. Also ab mit ihr in den damals noch vorhandenen Zwinger. Dort fühlte sie sich offensichtlich wohl.

Zuerst kam uns gar nicht der Gedanke, sie an das Haus zu gewöhnen. Ich kann mich heute nicht mehr so genau daran erinnern, was der Anlass war oder ob es überhaupt einen gab. Wir ließen einfach im Sommer die Terrassentür auf und aus ihrem Bedürfnis heraus, bei uns sein zu wollen, tat sie alle folgenden Schritte von alleine. Erst hielt sie sich nur kurz im Haus auf, dann immer längere Zeiten. Bald stellte sich heraus, dass sie nicht stubenrein war, manchmal ging sie sogar gezielt vom Garten ins Wohnzimmer, um sich dort zu erleichtern. Woher sollte sie es auch können?

Im Herbst des 2 Jahres, seit sie zu uns kam, begann sie nachts im Haus zu schlafen.

Seit diesem Moment an hat Bessy sich völlig verändert.

Bessy hatte viele Probleme, so nach und nach wurde ihr Vertrauen zu uns immer tiefer. Aber den Schritt, den sie tat, nachdem sie bei uns quasi "einzog", war bemerkenswert. Diese Veränderung ist mit Worten schwer zu beschreiben. Sie wurde noch anhänglicher, wirkte im Ganzen viel ausgeglichener, fühlte sich sichtlich wohler. Gleichzeitig begann sie auch, Chico, den Deutsch Drahthaar meiner Schwiegereltern (wir bewohnen eine Doppelhaushälfte mit damals noch gemeinsamen Garten) an der imaginären Grundstücksgrenze abzufangen und zu vertreiben.

Es war, als öffnete sie sich uns nun ganz und wollte und uns sagen: "Jetzt bin ich endlich zu Hause!"

Sabine Friedrich

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